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Seit dem 3. Mai 1993 praktiziert Dr. Jens Schneider mitten im Ortskern Krainhagens an der Lindenstraße Nr. 25. Unterstützt wird er durch seine Ehefrau Manuela Schneider. Wir wünschen uns, dass es noch lange so bleiben wird, denn eine Landarztpraxis wertet die Wohnqualität einer Ortschaft wie Krainhagen erheblich auf und ist leider in der heutigen Zeit nicht mehr alltäglich. Das Bestreben unseres Altbürgermeisters E. A. Kranz nach einem Landarzt in Krainhagen reichte weit vor dem Eröffnungstag der Praxis an der Lindenstraße zurück.

Manuela Schneider hat die Geschichte des ersten Niedergelassenen Arztes Krainhagens für die Chronik Krainhagen Röhrkasten verfasst und veröffentlicht. Mit der freundlichen Erlaubnis der Verfasserin Manuela Schneider und des Herausgebers der Chronik
„Arbeitskreis für Dorfgeschichte und Heimatkunde Krainhagen-Rörhkasten e.V.“  konnten wir diese Geschichte mit in unsere Internetseiten aufnehmen.

 

Manuela Schneider

Die erste Arztpraxis in Krainhagen / Röhrkasten

…was fehlt einem Dorf mit einer gewissen Lebensqualität, außer Grundschule, Kindergarten, Laden, Post und Sparkasse – genau eine Landarztpraxis!
… und was braucht ein frisch gebackener Landarzt – natürlich – dasselbe!!!

Das passt wie die Faust aufs Auge und kam dem alten Ortsbürgermeister gerade recht.
Nun war der Landarzt 1992 zwar noch nicht ganz fertig mit seinem Facharzt, und es gab auch noch nicht das richtige Gebäude.
Aber die Familie Schneider, die aus dem Osten mit drei Kindern über Ungarn geflüchtet war und sich bereits in dem schönen Bergdorf seit kurzem zu Hause fühlte, nahm beide Probleme gleichzeitig in Angriff.

Der Doktor, den Titel trug er bereits, arbeitete unermüdlich in Kliniken, um seine unvollständigen Assistenzzeiten in Inneres und Chirurgie zu absolvieren und Nachts noch im Notdienst, um die Sparkasse bei Laune zu halten.

Denn Frau Schneider, die sich wie jede andere Frau nach dem Hausbau auf die Gartengestaltung gefreut hatte, stürzte sich gleich noch mal voll ins Geschehen, und wollte auf die grüne Wiese im Dorfmittelpunkt eine Praxis setzen.

Das klang recht einfach (das Grundstück war ja auch für öffentliche Gebäude reserviert worden) bis man merkte, dass eine Praxis kein öffentliches Gebäude ist. Nun ja, der Ortsbürgermeister war da sehr pragmatisch eingestellt, so einen Bebauungsplan kann man zwar nicht schnell ändern, aber erstmal außer Kraft setzen - und er tat genau dies.
Nun legte die Arztgattin los, Bagger, Beton, Dach, Fenster, 4. Kind. Und dann brach der Traum zusammen. Nein - nicht wegen des süßen kleinen Babys. Die Gesundheitspolitik änderte sich plötzlich.

Am grünen Schreibtisch hatte irgendein Statistiker die Einwohnerzahlen Deutschlands durch die Ärzte der Bundesrepublik geteilt und festgestellt, es gibt zu viele niedergelassene Mediziner und der damalige Gesundheitsminister beschloss eine Zulassungssperre für niedergelassene Ärzte. Es entstand demzufolge in Krainhagen gerade eine Investruine.

Also mit den 4 Kindern ab nach Hannover zur Kassenärztlichen Vereinigung. Was kann man noch tun, um nicht von heut auf morgen ein Sozialfall zu werden? Doc Schneider musste bis zum 01.03.1993 niedergelassen sein. Papier ist geduldig. Und so begann die Schneidersche Praxis theoretisch an diesem Tag, startete aber erst mal mit 9 Wochen Urlaub.

In dieser Urlaubszeit absolvierte der nun vierfache Familienvater mit seinem gesamten Ost-West-Wissen seine Facharztprüfung für Allgemeinmedizin in Hannover und holte sich den letzten Schliff für das eigene Praxisleben bei einem Rintelner Berufskollegen, während seine Frau die letzten Fliesen legte und noch schnell das Wartezimmer tapezierte.

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, gab es eine tolle Eröffnungsfeier und Montag dem 03. Mai ging es richtig los. Baujacke wurde gegen Schwesternkittel getauscht und die ersten 20 Patientenkarteikarten angefertigt. Na gut, 65% der vom neuen Landarzt behandelten Patienten trugen an diesem Tag den Namen „Schneider“, aber immerhin.

Die Praxis wuchs schnell zu einer überdurchschnittlichen Größe heran.

Der Bekanntheitsgrad der Schneiders stieg über die Jahre hinweg aber nicht nur durch die medizinische Dienstleistung, die in der Lindenstraße 25 erbracht wurde. Die Familie engagierte sich in allen Vereinen. Der Arzt spielte für den ortsansässigen Fußballverein von der ersten Mannschaft bis hin zu „Alt Alt“ auf jedem grünen Rasen im Landkreis. Gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern tanzte er auf allen möglichen Festen und Feiern auch über die Landesgrenzen hinaus. Und letztendlich flimmerte die Familie mit dem 6-Teiler „Windstärke 8 – das Auswandererschiff“ über die TV-Bildschirme. 10 Wochen noch einmal als Auswanderer, aber für diese ARD-Produktion das Ganze wie zur Zeit von 1855 ohne Strom, Heizung und Kühlschrank, Salzwasser zum Waschen, Kartoffeln und Pökelfleisch zum Essen und eine Schietpütz zum Entsorgen der Mahlzeit nach der Verdauung. Selbst bei Maischberger, Böttinger und Pastor Fliege liefen sie auf den öffentlich- rechtlichen Sendern. Seine Frau fasste diese verrückte Leben in ihrem Buch „DDR – flüchtig“ zusammen, dem sie von ihrer Flucht berichtet, den Gründen für solch einen Schritt erzählt und darüber, was aus ihren Träumen geworden ist.

Doch bei all diesen in kuriosen Sachen, die sie gedreht haben, sind sie geblieben, wie sie sind.

Doc Schneider – der Landarzt in der Lindenstraße und seine Familie.

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